contra:punkt – 2025

   

contra:punkt

2025
Galerie Froschke, Berlin
Ute Wennrich / Agata Kycia

Kontrapunkt ist eine Bezeichnung aus der Musik und meint die Führung mehrerer selbständiger Stimmen in einem Tonsatz.
Der Titel contra:punkt unserer gemeinsamen Ausstellung zeigt genau dieses: zwei künstlerische Positionen treffen sich, zwei eigenständige Stimmen, die aber im Zusammenwirken viele Ähnlichkeiten haben.
Die Arbeiten, die hier zu sehen sind, sind in ihrer Materialität und Stofflichkeit zwar sehr unterschiedlich aber im formalen Duktus auch wieder ähnlich.
So verwendet Ute Wennrich vorwiegend winzige Glasperlen, sog. Rocailles und gestaltet damit Objekte oder Stickereien auf Leinwänden, während Agata Kycia sich schwerpunktmäßig mit mehrfarbigen Siebdrucken auf farbigem Papier hier präsentiert.
Bei ihren Siebdrucken kommt mir sofort Victor Vasarely in den Sinn, der im Stil Trompe – l’œil (täusche das Auge) grafische Muster und Illusionen des Raumes schuf. Diese Täuschung des Auges können verschiedene visuellen Wahrnehmungen betreffen, so beispielsweise Bewegungs- oder Farbillusionen, um nur zwei zu nennen.
Neben den kinetischen Effekten gehört im Œvre Vasarelys das Quadrat mit zu den Grundformen, die mit Kreis, Elipse, Rechteck, Raute und Dreieck kombiniert werden.

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Auch in ihrer Werkgruppe der hier gezeigten Siebdrucke arbeitet Agata Kycia mit den Phänomenen der optischen Täuschung. Dabei spielen geometrische Formen eine wichtige Rolle. Bei Agata Kycia kommt jedoch eine weitere Komponente in ihren Arbeiten zum Tragen: die Beziehung zwischen digitalen Technologien und der klassischen Handarbeit. Ganz besonders deutlich wird das in ihrer Stickarbeit, hier in der Nische zu sehen. Dabei verbindet sich die Stickerei ihrer Hand mit der Vorlage der exakten digitalen Technologie. Lassen wir uns von den dabei entstehenden Effekten überraschen.
In Ute Wennrichs Œvre der letzten Jahre sind winzige Glasperlen, sog. Rocailles das wesentliche Material, aus dem Objekte, Reliefs und Installationen entstehen. Glas kommt aus der Erde und spiegelt ihre Entstehungsgeschichte wider. Die verwendeten Rocailles sind ein Produkt der Fertigung in Manufakturen oder Glashütten, bei der u. a. Lasertechnik eingesetzt wird. Ich verarbeite sie händisch zu Objekten und greife dabei auf alte Kulturtechniken aus aller Welt zurück, die ich entsprechend inhaltlicher und künstlerischer Aussage des Werks nutze.

Das Musikalische, das Contra:punktische in unserer Ausstellung zeigt sich im Rhythmischen, im Tänzerischen, im Wechsel von Hell und Dunkel, im Spiel von Schwarz und Farbe. Die Bewegung, die in den einzelnen Arbeiten zum Ausdruck kommt, setzt sich als Rhythmus im Raum fort.
Beide Künstlerinnen zeigen hier auch großformatige Zeichnungen, in denen Rhythmus von Hell – Dunkel und die Bewegung eine zentrale Rolle spielen. So sagt Ute Wennrich zur Entstehung der hier gezeigten Zeichnungen aus der Serie Tanz des Schattens “Der Stift hüpft und tänzelt über das Papier, hinterlässt mit jedem Punkt einen feinen Tropfen Tusche auf seiner Spur. Wie im Tanz bewegt er sich in kleinen Hüpfern und großen Sprüngen dahin und in seinem Takt ballen sich die ungezählten Punkte zu weiten oder dichten Flächen zusammen.“
Im Mikrokosmos des Punktes liegt eine ganze Welt und mit dessen Reihung und Überlagerungen entstehen Flächen in verschiedenen Grautönen, die eine malerische und zugleich transparente Anmutung haben.
Kommen wir zum Ausstellungstitel zurück:
contra:punkt contra = Gegen, gegenläufig, aber auf den Punkt gebracht? Verbinden sich hier scheinbare Widersprüche?
Ich hoffe, in unserer Ausstellung können wir an vielen kleinen Details zeigen, dass sich Widersprüche sehr harmonisch verbinden können. So beispielsweise zwischen den Rocailles, den winzigen Glaskügelchen, und dem Pointilismus der Zeichnungen, der den Punkt feiert. Oder: das Flirren, das von den Serigrafien ausgeht, das vielleicht eine Entsprechung in der leuchtenden Transparenz des Glases findet.